Heft 11

Bernhard Engel/Stefanie Best

Mediennutzung und Medienbewertung im Kohortenvergleich

Ergebnisse der ARD/ZDF-Langzeitstudie Massenkommunikation

Mittels einer Kohortenanalyse auf der Basis von sieben Wellen der Langzeitstudie Massenkommunikation seit 1970 werden Veränderungen in Mediennutzung und -bewertung vor dem Hintergrund ähnlicher lebensgeschichtlicher Erfahrungen ermittelt. Im Verlauf der vergangenen 30 Jahre zeigt sich ein Anstieg der Mediennutzung in allen Alterskohorten. Dabei wächst die Radionutzung in den meisten Kohorten am stärksten. Nach Tagesabschnitten betrachtet, erweist sich auch in der Kohortenanalyse das Fernsehen einmal mehr als Abendmedium. Tageszeitung und Radio haben dagegen vor allem tagsüber ihre Nutzungsschwerpunkte, wobei beim Radio Kohorteneffekte sichtbar werden: Die Kohorten 1950 und jünger beginnen ihren Radiokonsum auf höherem Niveau und steigern diesen beträchtlich bis zum Jahr 2000.

Betrachtet man den Grad des Vermissens eines Mediums als Kriterium für Wertschätzung im Kohortenverlauf, zeigen sich folgende Befunde: Trotz stärkerer Nutzung ist die Wertschätzung des Fernsehens nicht durchgängig gestiegen. Vielmehr wird bei den Kohorten der nach 1950 Geborenen das Fernsehen heute weniger vermisst als früher. Beim Hörfunk unterscheiden sich die Kohorten zwar im Niveau der Wertschätzung, doch ist diese seit 1970 im Verlauf weitgehend stabil. Die Tageszeitungen verzeichnen nach einem Anstieg seit 1990 nun sinkende bzw. stagnierende Wertschätzung.

Die verschiedenen Wellen der Studie Massenkommunikation haben sich immer auch dem politischen Interesse gewidmet. Nach den Befunden der Kohortenanalyse bestätigt sich die häufig vermutete Politikdistanz der Jüngeren nicht. Das geringste politische Interesse haben die ältesten Kohorten. Auch zeigt die Kohortenanalyse des Nutzungsverlaufs keine Unterschiede zwischen der Gesamtbevölkerung und den politisch Interessierten, die auf einen Funktionswandel des Mediums Fernsehen hindeuten würden.

MP 11/2001, S. 554-563



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