Heft 4

Wolfgang Darschin/Heinz Gerhard

Tendenzen im Zuschauerverhalten

Fernsehgewohnheiten und Fernsehreichweiten im Jahr 2003

Die Auswahlmöglichkeiten der Fernsehzuschauer in Deutschland haben sich im vergangenen Jahr nochmals erhöht: Konnte ein durchschnittlicher Fernsehhaushalt Anfang des Jahres 2003 noch 38 verschiedene Programme empfangen, so waren Ende 2003 bereits 41 Programme verfügbar. Im Vergleich zum Vorjahr sahen die Deutschen zwar nicht häufiger fern, aber sie haben ihren Fernsehkonsum nochmals geringfügig um zwei Minuten auf jetzt 203 Minuten pro Tag gesteigert. Kinder im Alter von drei bis 13 Jahren verringerten dagegen ihren Fernsehkonsum um vier Minuten auf jetzt 93 Minuten pro Tag. Beide Entwicklungen gehen in erster Linie auf ein verändertes Fernsehnutzungsverhalten in Ostdeutschland zurück. Nach wie vor sehen Ostdeutsche länger fern als Westdeutsche, vor allem die ab 30-Jährigen verbringen mehr Zeit vor dem Bildschirm.

Nach Marktanteilen führte in Deutschland im Jahr 2003 wiederum RTL vor dem Ersten und dem ZDF, wobei die westdeutschen Fernsehzuschauer die meiste Zeit mit dem Ersten verbrachten, die ostdeutschen bei RTL. Während Unterhaltungssendungen und Sportereignisse die Hitliste des Jahres 2003 anführten, trugen nach Sparten betrachtet nach wie vor die Informationssendungen am meisten zur Akzeptanz der öffentlich-rechtlichen Programme bei. Bei den Privatsendern wurden dagegen Fiction- und Unterhaltungssendungen am stärksten genutzt.

Im Wettbewerb der Nachrichtensendungen haben "Tagesschau" und "heute" ihre Spitzenpositionen behauptet, und auch die politischen Informationssendungen werden stark nachgefragt, sodass unverändert gilt: Ihren Informationsbedarf decken die Zuschauer größtenteils bei den öffentlich-rechtlichen Programmen, auch wenn die Nachrichten- und Informationssendungen von ARD und ZDF im Osten weniger beachtet werden als im Westen.

MP 4/2004, S. 142-150



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