Ekkehardt Oehmichen/Christian Schröter

Zur Habitualisierung der Onlinenutzung

Phasen der Aneignung und erste Ausprägung von Nutzertypen

Das Medium Internet erreicht einen immer größeren Teil der Bevölkerung. Im Gegensatz zu Radio oder Fernsehen erschließt sich das Internet für seine Nutzer jedoch in einem eher langwierigen Erfahrungsprozess, der Eigeninitiative und gewisse Frustrationstoleranz erfordert. Im Rahmen der ARD/ZDF-Online-Studie 2002 ist erstmals versucht worden, nach fast einer Dekade Internetnutzung die unterschiedlichen Muster des Umgangs mit dem Medium näher zu analysieren.

Dabei zeigt sich, dass auch innerhalb der Onlinenutzerschaft eine gewisse "digitale Kluft" vorhanden ist, die die Gruppe der "aktiv-dynamischen" Nutzer von der Gruppe der "selektiv-zurückhaltenden" Nutzer trennt. Für beide Nutzertypen gilt, dass sie verschiedene Phasen der Aneignung des Mediums durchlaufen. Die Einstiegsphase ist dabei häufig verknüpft mit mehr oder minder großer Ernüchterung, weil vieles schief geht und erlernt werden muss. Die Nutzer suchen nach Orientierung und erleben im Umgang mit dem Netz eine "Selbstprofessionalisierung", die wiederum zur Herausbildung von Gewohnheiten und Routinen führt.

Der Typus des selektiv-zurückhaltenden Nutzers beschränkt seine Onlineaktivitäten auf wenige Funktionen und Inhalte, er verlässt sich mehr auf die Angebote großer Portale wie T-Online, Yahoo usw., das Internet ist insgesamt wenig in seinen Alltag integriert. Der aktiv-dynamische Nutzer zeichnet sich dagegen dadurch aus, dass er häufiger und kontinuierlicher online ist, die Vielseitigkeit des Internets erkennt und gezielter nutzt sowie seinen Erfahrungshorizont ständig erweitert. Eine rational-nüchterne Herangehensweise an das Netz schließt dabei keineswegs eine aktiv-spielerische Haltung aus. Erst in der Kombination der beiden scheint eine umfassende Aneignung des Internets möglich.

Ein erster Versuch der Verknüpfung dieser beiden Basis-Nutzertypen mit der MedienNutzerTypologie bringt weitere interessante Differenzierungen zutage, die die Vielgestaltigkeit der Internetnutzung illustrieren. Offen ist, wie verfestigt die beschriebenen Nutzungsmuster angesichts der dynamischen Entwicklung des Internets bereits sind. Zumindest unter den gegebenen technischen Rahmenbedingungen bleibt das Internet für die Mehrheit der Nutzer eine Ergänzung des traditionellen Medienangebotes.

MP 8/2002, S. 376-388



Zurück zur Übersicht