Heft 11

Christian Breunig

Mobiles Fernsehen in Deutschland

Angebote und Nutzung

Trotz positiver Marktprognosen hat sich die Hoffnung vieler Marktteilnehmer, die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 werde den großen Durchbruch für das mobile Fernsehen - insbesondere das Handy-TV - bringen, nicht erfüllt. Noch gibt es keinen einheitlichen technischen Standard, die Vergabe der Sendefrequenzen ist nicht abgeschlossen und die ersten Geschäftsmodelle kommerzieller Betreiber müssen ihre Tragfähigkeit noch beweisen. Offenbar gewinnt mobiles Fernsehen erst langsam an Fahrt, sodass vor 2009 kaum mit einem bundesweiten Regelbetrieb zu rechnen ist.

Während der Mobilfunkstandard UMTS für Handy-TV nicht (massen-)markttauglich ist, dürften sich die Rundfunkstandards DMB und DVB-T bzw. DVB-H zur Übertragung mobilen Fernsehens zunächst behaupten. Nach dem kommerziellen Start von Handy-TV auf DMB-Basis Ende Mai 2006 in fünf Großstädten und dem weiteren Ausbau befindet sich der konkurrierende Standard DVB-H noch im Projektstadium. Bisher beschränken sich die Handy-TV-Angebote im Wesentlichen auf die Offerten privater und öffentlich-rechtlicher Fernsehsender, die von ihrem Image als bekannte Marken profitieren. Der Anteil spezieller Mobil-TV-Formate und interaktiver Angebote dürfte sich in Zukunft erhöhen.

Plattformbetreiber und Mobilfunkunternehmen beabsichtigen, die Programme verschlüsselt auszustrahlen und dafür ein Entgelt zu verlangen. Dagegen fordern die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten einen unverschlüsselten und kostenfreien Zugang zum Handy-TV, um ihrem gesellschaftlichen Auftrag gerecht zu werden. Das Interesse der Bevölkerung an und die Zahlungsbereitschaft für Handy-TV sind bislang gering. Nach den ersten Untersuchungsergebnissen wird Handy-TV maximal eine Viertelstunde pro Tag genutzt, und zwar sowohl unterwegs als auch zu Hause, aber nicht in der Primetime des traditionellen Fernsehens. Wer auf Handy-TV zugreift, möchte sich vor allem informieren: Nachrichten und Sport rangieren in der Publikumsgunst vor unterhaltenden Formaten.

MP 11/2006, S. 550-562



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