Heft 9

Walter J. Schütz

Deutsche Tagespresse 2008

Zeitungsangebot und Wettbewerbssituation im Zeitungsmarkt kaum verändert

Zwar ist bei den Tageszeitungen in Deutschland die verkaufte Auflage unter den Schwellenwert von 20 Millionen Stück gesunken und damit zum ersten Male niedriger als im alten Bundesgebiet vor der Wiedervereinigung. Ein konstantes Bild bieten jedoch die sonstigen Kennziffern: Noch niemals seit 1954 sind in einem Berichtszeitraum für Kernredaktionen („Publizistische Einheiten“), Verlage und Ausgaben weniger Veränderungen zu verzeichnen als von 2006 auf 2008. Ursache hierfür dürfte sein, dass sich nach Perioden fortgesetzter Kooperationen und Konzentrationsvorgängen ein derart gefestigter Zeitungsmarkt herausgebildet hat, in dem Wettbewerb (abgesehen von wenigen Orten) kaum noch stattfindet. Von den Schlüsselzahlen verdeckt werden jedoch interne Vorgänge -- vor allem häufige Änderungen in den Eigentumsverhältnissen. Außerdem gibt es auf dem deutschen Tageszeitungsmarkt seit Jahrzehnten kaum noch Markteintrittschancen.

Der vorliegende Bericht mit Statistiken dokumentiert die Entwicklungen auf dem deutschen Zeitungsmarkt von Oktober 2006 bis Oktober 2008 und ist der 16. Bericht des Autors zu diesem Thema in „Media Perspektiven“ und die zweite Fortschreibung der (9.) Zeitungsstichtagssammlung von 2004, der letzten Vollerhebung.

Im Untersuchungszeitraum ist die Anzahl der Publizistischen Einheiten leicht von 136 auf 135 zurückgegangen. Die Anzahl der Verlage als Herausgeber stieg von 352 auf 353 an und resultiert gleichermaßen aus Ab- und Zugängen. Unvermindert fortgesetzt hat sich das „Outsourcing“ publizistischer Aufgaben in vielerlei Formen (z.B. Beauftragung externer Redaktionsbüros). Darüber hinaus gab es zahlreiche Änderungen bei den Eigentümern der Zeitungsverlage, auch wenn diese statistisch nicht wirksam sind -- wie auch eine Reihe von Einstellungen und Zusammenlegungen von Ausgaben, beispielsweise bei der WAZ.

Auflagenrückgänge als Ausdruck der „Zeitungskrise“ verzeichnen vor allem die Kaufzeitungen, während die Entwicklung bei den Abonnementzeitungen unterschiedlich verlief: Geringen Auflagenrückgängen bei den überregionalen Titeln und den Zeitungen in Baden-Württemberg, Bayern, Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein stehen massive Verluste in Ostdeutschland gegenüber.

MP 9/2009, S. 454-483



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