Heft 11

Andrea Esser

Formatiertes Fernsehen

Die Bedeutung von Formaten für Fernsehsender und Produktionsmärkte

Laut FRAPA Report 2009 wuchs der Produktionswert lokal adaptierter Programme von geschätzten 6,4 Mrd Euro für den Zeitraum 2002 bis 2004 auf 9,3 Mrd Euro für 2006 bis 2008. Die Zahl international gehandelter Formate stieg in den von FRAPA beobachteten Fernsehmärkten von 259 auf 445. Die Auswirkungen des Formatgeschäfts auf die Produktionsmärkte und die Bedeutung dieser relativ neuen „dritten Programmquelle“ für Rundfunkveranstalter sind jedoch nur unzureichend untersucht.

Der vorliegende Artikel gibt einen Überblick über das Formatgeschäft und über den Einsatz von Formaten bei den großen deutschen Sendern (ARD/Das Erste, ZDF, RTL, Sat.1, ProSieben) in der Primetime. Für die Analyse wurden alle in den Jahren 2008 und 2009 zwischen 19.00 Uhr und 23.00 Uhr gesendeten Programme ausgewertet: 18 166 Einzelsendungen, insgesamt 2 002 unterschiedliche Programmtitel. Einzelne zentrale Ergebnisse werden mit Daten einer Programmanalyse der fünf großen US-Networks aus dem Fernsehjahr 2007/2008 verglichen.

Auf dem internationalen Markt mit Formaten lässt sich derzeit eine zweigleisige Entwicklung beobachten: Auf der einen Seite öffnet der Formathandel kleinen Produzenten sowie Produzenten aus traditionell Nicht-Fernsehexportländern verstärkt Türen zum Weltmarkt. Auf der anderen Seite lässt sich eine Tendenz zur Marktkonzentration beobachten: Kleine Produzenten werden zunehmend von Produktionsgruppen aufgekauft, zusätzlich findet eine Konsolidierung der Stufen Entwicklung, internationaler Vertrieb und Produktion innerhalb global agierender Konzerne statt.

Die Zahl der in der Primetime ausgestrahlten Formate bei den fünf deutschen Sendern lag 2008 bei 51, 2009 bei 54. ARD und ZDF sendeten dabei allerdings 2008 zusammen nur drei und 2009 fünf Formate, während die Privaten insgesamt 48 beziehungsweise 49 Formate ausstrahlten. ProSieben wies mit 38 bzw. 41 Prozent den größten Sendeanteil an formatierten Programmen auf. An zweiter Stelle lag RTL mit 32 bzw. 33 Prozent, dicht gefolgt von Sat.1 mit 27 bzw. 32 Prozent. Der höchste Anteil an Formaten im Programm der privaten Sender findet sich im Januar, in den werbe- und zuschauerschwachen Monaten Juni, Juli und August sind die Anteile dagegen erheblich geringer.

 

MP 11/2010, S. 502-514



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