Inforadio: Alexander Schmidt-Hirschfelder

Unsere Hörer sind ziemlich anspruchsvoll …

Name: Alexander Schmidt-Hirschfelder
Sender:
Inforadio

Der 7-jährige Sohn einer Freundin fragt Sie, was Sie eigentlich so beim Radio machen. Was antworten Sie ihm?

Ich bin derjenige, der den Hörerinnen und Hörern sagt, was sie im Moment unbedingt wissen müssen. Und hoffentlich kann ich auch erklären, warum man das wissen muss.

Ein Tag als Moderator – wie sieht der aus?

Aufstehen um vier, in der Redaktion um fünf, senden von sieben bis zehn. Dann für ein paar Stunden zuhause ausruhen und wieder zurück in den Sender zur Vorbereitung des nächsten Tages. Und nach der Tagesschau schnell einschlafen – was leider nicht immer klappt.

Wenn Ihr Radiosender ein Raumschiff wäre, was wäre dann Ihre Funktion als Besatzungsmitglied? Und warum?

Inforadio ist viel komplexer als jedes Raumschiff. Aber vielleicht wäre ich Chefsteward. Ich kümmere mich um die Gäste und erkläre ihnen, wohin wir unterwegs sind und warum wir dorthin fliegen. Währenddessen sorgen die vielen kompetenten Kolleginnen und Kollegen im Cockpit dafür, dass unsere (Nachrichten-) Reise inhaltlich und technisch einwandfrei abläuft.

Die fünf wichtigsten Eigenschaften für einen guten Moderator?

Interessiert sein, informiert sein, (selbst-) kritisch sein, offen sein für Unvorhersehbares. Und ganz wichtig: im Team arbeiten wollen und können.

Ein liebgewonnenes Ritual in Ihrem Beruf?

Ein Arbeitstag fängt für mich immer an mit einem kurzen Blick auf die Schlagzeilen der Zeitungen. Was macht eigentlich die Konkurrenz?

Ein ganz persönlicher Radio-Moment in Ihrem Leben?
(Er muss nicht unbedingt aus der jüngsten Vergangenheit stammen.)

Das ist schwer zu sagen. Für mich ist Inforadio immer dann am stärksten, wenn wir Brüche und Widersprüche klar benennen – und auch zugeben, dass es auf die Schnelle nicht immer eine eindeutige Erklärung dafür gibt. Und solche Momente gibt es einige…

Ein Freundin/ein Freund möchte für zwei Wochen nach Berlin kommen. Was soll sie/er hier unbedingt machen? Und was empfiehlt sich Ihres Erachtens gar nicht?

Unbedingt: frühmorgens auf den menschenleeren Teufelsberg klettern und Berlin dabei zusehen, wie es erwacht. Auf keinen Fall: abends auf den Teufelsberg klettern, wenn es dort vor Menschen nur so wimmelt.

Ein amerikanischer Bekannter hat gehört, dass es in Berlin keine Sperrstunde gibt. Wo schicken Sie ihn nach 24.00 Uhr hin, um das nächtliche Berlin zu erleben?

Ich rate ihm, einfach seinem Gefühl zu folgen. In Berlin dürfte das immer der beste Wegweiser sein.

Was zeichnet einen Hörer von Inforadio aus?

Ich lehne mich wahrscheinlich nicht allzu weit aus dem Fenster, wenn ich behaupte, unsere Hörerschaft hat ein grundsätzliches Interesse daran, informiert zu sein. Das klingt nach wenig, ist in Wahrheit aber ziemlich anspruchsvoll.

Warum sollte die Hauptstadtregion Inforadio hören?

Weil wir der einzige Sender sind, der von der großen Weltpolitik bis hin zum Stau auf der Avus alles abbildet.

Bei welcher Radio-Werbung hören Sie genauer hin?

Bei solcher, die sich selbst nicht zu ernst nimmt.

Was macht die Radiolandschaft in der Hauptstadtregion so reizvoll?

Es ist ein schwer umkämpfter Markt. Das ist eine Herausforderung für uns Radiomacher. Und ein Gewinn für die Hörerinnen und Hörer.

Warum und wie bleibt Radio trotz der Konkurrenz durch neue Medien ein wesentliches Kommunikationsmedium?

Weil wir keine Automaten sind, sondern versuchen, das Nachrichtengeschehen sinnvoll einzuordnen. Ein Newsflash aufs Handy wird das nie schaffen.

Drei Songs, die ein echter Radiomacher kennen/spielen/lieben muss? Und einer, denn man gern abschaffen könnte?

Mit Musik ist das so eine Sache bei Inforadio. Wir sind nämlich ein reines Wortprogramm. Aber im Prinzip gilt für Musik dasselbe wie für Nachrichten: Was relevant ist, sollte man schon mal gehört haben.

Welches ist die peinlichste CD/MP3 in Ihrer Sammlung?

Alle jährlichen Alben zum Eurovision Song Contest.

Was halten Sie für den nächsten Trend aus der Hauptstadt?

Radiohören. Weil es retro UND zukunftsweisend ist.

Nennen Sie uns ihren ganz persönlichen musikalischen Geheimtipp aus der Hauptstadtregion?

Das können wohl eher meine kompetenten Kolleginnen und Kollegen aus der Inforadio-Kulturredaktion beurteilen. Und denen vertraue ich blind.

Ein Ort, den man in Brandenburg unbedingt besucht haben muss?

Den Tiefen See in Prieros (Landkreis Dahme-Spree). Einen stilleren und schöneren Ort in der Region kenne ich nicht.