Wir funken bunt!
Name: Lydia Herms
Redakteurin, Reporterin, Moderatorin und Autorin (Hörfunk) seit: April 2005
Sender: radioeins
Der 7-jährige Sohn einer Freundin fragt Sie, was Sie eigentlich so beim Radio machen. Was antworten Sie ihm?
Ich erzähle Geschichten – und ganz viele hören zu.
Ein Tag als Morgenmoderator – wie sieht der aus?
Texte lesen, Telefonate führen, Emails empfangen, Emails schreiben, Lächeln verschenken, Augenrollen verkneifen, Essen vergessen, Kaffee trinken, Termine sammeln, Ideen erspinnen, Selbstgespräche führen, Chaos kultivieren, tippen, tippen, tippen, drucken – und dann im Radio Geschichten erzählen.
Die fünf wichtigsten Eigenschaften für einen guten Morgenmoderator?
Er hört gut zu und glaubt sich selbst. Er recherchiert sauber und lacht dreckig. Außerdem muss er begeisternd erzählen können.
Ein liebgewonnenes Ritual in Ihrem Beruf?
Wenn ich ein neues Buch auf dem Tisch habe, lese ich zuerst den Schluss.
Ein ganz persönlicher Radio-Moment in Ihrem Leben?
(Er muss nicht unbedingt aus der jüngsten Vergangenheit stammen.)
Jetzt sitze ich bereits 10 Minuten vor dieser Frage, wälze Erinnerungen, zitiere Begegnungen, und kann mich nicht entscheiden. Ein besonders besonderer Moment war wohl der, als mich radioeins mit den Worten anrief: „Dies ist nicht die Chance deines Lebens.“
Ein Freundin/ein Freund möchte für zwei Wochen nach Berlin kommen. Was soll sie/er hier unbedingt machen? Und was empfiehlt sich Ihres Erachtens gar nicht?
Sie/er sollte mich besuchen – und dann mit mir spontan stadtwandern. Da ich selbst erst seit Mai 2012 in Berlin wohne, muss ich noch alles ablaufen und erkunden, besuchen und kosten. Das wird ein Spaß!
Samstagnacht gegen 23 Uhr – wo gehen Sie in Berlin hin?
Da am Sonntag die Sendung „Die Literaturagenten“ ist, mit großer Sicherheit ins Bett.
Was zeichnet einen Hörer von radioeins aus?
Er liebt Geschichten.
Warum sollte die Hauptstadtregion radioeins hören?
radioeins funkt bunt, die Vielfalt in jeder Hinsicht ist enorm groß. Gute Musik, komische Gäste, polarisierende Themen, kritische Fragen, verquere Ansichten, schöne Stimmen, Humor, Information, und manchmal sogar ein bisschen Liebe.
Bei welcher Radio-Werbung hören Sie genauer hin?
Bei Spots, die das Berlin-Feeling catchen oder wachrütteln: meist im Bereich Lifestyle oder besondere Angebote.
Was macht die Radiolandschaft in der Hauptstadtregion so reizvoll?
Wenn kritisiert wird, dann richtig.
Warum und wie bleibt Radio trotz der Konkurrenz durch neue Medien ein wesentliches Kommunikationsmedium?
Es ist persönlich. Da stecken Menschen mit Macken, Schwächen und Ideen drin. Mein mp3-Player kann mich weder arg provozieren, noch zu etwas animieren. Da ist drauf, was ich drauf gepackt habe, meine Lieblingsmusik oder ein Hörspiel, das ich aktuell höre. Die neuen Medien betrachte ich nicht als Konkurrenz, sondern als Ergänzung bzw. gute Möglichkeit, freier zu konsumieren. Viele Radiosendungen höre ich mir im Stream an während ich nebenbei den Themen hinterher klicke.
Bei welchem Song drehen Sie zurzeit das Radio lauter?
„Heart's A Mess“ vom vorletzten Gotye-Album und alles von Björk. Oh, außerdem freue ich mich riesig, wenn „How deep is your love“ von The Rapture gespielt wird, und Songs in denen man Französisch singt. Grundsätzlich mag ich elektronische Musik mit Schrummelelementen. Grimes würde ich gern mal im Radio hören.
Welches ist die peinlichste CD/MP3 in Ihrer Sammlung?
Gibt es nicht. Ich habe immer schon aufrichtig konsumiert. Für eine Veranstaltung musste ich mal „Du trägst keine Liebe in dir“ von Echt auswendig lernen. Das war schön, aber die CD wäre mir peinlich, befände sie sich in meinem Besitz.
Was halten Sie für den nächsten Trend aus der Hauptstadt?
Der Kleinstadtlook ist im Kommen. Und Hausschuhe als Straßenschuhe. Und Chorlieder auf der Straße üben, lauthals. Probiere ich alles gerade aus. Nein, ernsthaft, unter Trend verstehen wir vieles. Ich folge den wenigsten. Gelochte Hosen, das wär's. Und matt lackierte Fahrräder.
Nennen Sie uns ihren ganz persönlichen musikalischen Geheimtipp aus der Hauptstadtregion?
Klub Mono haben interessante Sachen produziert, die sich sehr gut dazu eignen, in viel zu hell beleuchteten S-Bahnen viel zu spät viel zu müde nach Hause zu fliegen. Dillon ist sicher kein Geheimtipp mehr, außerdem ist sie Wahlberlinerin, aber ihre wundervolle Musik höre ich sehr oft.
Ein Ort, den man in Brandenburg unbedingt besucht haben muss?
Neuruppin – spätestens zu den Fontane Festspielen 2012. Da ist es schön.