Heft 2

Udo Michael Krüger

Qualitätsanspruch bei 3sat und Arte

Struktur und Inhalte der öffentlich-rechtlichen Kulturprogramme

Die beiden öffentlich-rechtlichen Kulturprogramme 3sat und Arte eint ein Programmauftrag mit hohem Qualitätsanspruch und nationale Grenzen übergreifender europäischer Orientierung. Die hier vorgestellte Programmanalyse des Kölner IFEM-Instituts zeigt die Programmprofile 1999 beider Programme und ihre Entwicklung in den 90er Jahren auf. Bei 3sat dominieren die Informations- und Bildungsangebote vor allen übrigen Programmkategorien mit über 70 Prozent der Gesamtsendedauer, bei Arte machen sie als größte Programmkategorie die Hälfte der Gesamtsendezeit aus. Dabei wird das Informations- und Bildungsangebot von Themen zu Kultur und Wissenschaft geprägt.

Fiction ist bei Arte mit 40 Prozent Sendezeitanteil die zweite Hauptkomponente des Programmangebots, bei 3sat entfällt darauf weniger als ein Fünftel der Gesamtsendedauer. Im Fictionangebot beider Sender dominieren die anspruchsvollen Genres vor leichter Unterhaltung und Action/Spannung, wobei großer Wert auf cineastische Konzeption, Filmgeschichte und Experiment gelegt wird.

Beide Sender lassen eine europäische Perspektive erkennen, bei 3sat ist dies auftragsgemäß vor allem die Bedienung des gesamten deutschen Sprachraums, während Arte als "europäischer Kulturkanal" eine breitere "Pluralität der Nationen" aufweist.

Innerhalb des dualen Fernsehsystems bilden die beiden öffentlich-rechtlichen Kulturprogramme, wie eine Korrespondenz- analyse zeigt, ein qualitatives Gegengewicht zu kleineren privaten Unterhaltungsprogrammen mit niedrigem Anspruchsniveau. 3sat und Arte ergänzen sich gegenseitig, ermöglichen aber auch im Verhältnis zu den öffentlich-rechtlichen Hauptprogrammen eine stärkere Ausdifferenzierung in Richtung eines hohen Programm- anspruchs. Gerade diese funktionale Ausdifferenzierung des öffentlich-rechtlichen Gesamtangebots konnte angesichts der fortschreitenden Segmentierung der Publikumsinteressen das breite Programmspektrum im heutigen dualen Fernsehsystem in Deutschland gewährleisten.

MP 2/2000, S. 71-84



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