Heft 9

Udo Michael Krüger/Christiane Müller

"logo!" - Kindernachrichten im KI.KA

Ergebnisse des "logo!"-Monitors zu Themenstruktur, Präsentation und Konzept der Kindernachrichtensendung

Die vom ZDF produzierte und täglich im KI.KA ausgestrahlte Kindernachrichtensendung „logo!“ hat im deutschen Fernsehen eine Alleinstellung. Die vorliegende Analyse auf Basis einer Vollerhebung des Jahres 2010 untersuchte formale und inhaltliche Merkmale mit dem Ziel, quantitative Inhaltsprofile und qualitative Besonderheiten der Sendung herauszuarbeiten.

Demnach entfallen bei "logo!" die höchsten Sendezeitanteile auf alltagsnahe und bunte Themen, Wissenschafts- und Umweltthemen sowie Politik und Sport, während Kriminalitätsthemen nur eine marginale Rolle spielen. Die häufigsten Informationsanlässe sind Wettbewerbe, Naturkatastrophen und Gedenktage. Diese Informationsanlässe werden genutzt, um Kinder mit politischen, gesellschaftlichen oder zeitgeschichtlichen Hintergründen in Deutschland und anderen Ländern vertraut zu machen. Eine zentrale Rolle spielen hier die Erklärstücke, in denen schwierige Sachverhalte in kindgemäßer Form dargestellt werden.

Von den Präsentationsformen der Nachrichtensendungen für Erwachsene unterscheidet sich die Kindernachrichtensendung durch ihren hohen Anteil an Moderation sowie durch eigene Formen, die den kindlichen Rezeptionsbedingungen und Interessen entgegenkommen. Charakteristisch für "logo!" sind ferner der Einsatz von Kinderreportern bei leichteren Themen und die „Redezeit“, ein Sendungselement, in dem Kinder auf Missstände in ihrem Umfeld aufmerksam machen können.

Unter den Akteuren in den Kindernachrichten spielen Kinder im Schulalter und Alltagsbürger die Hauptrolle, insgesamt dominieren private Personen vor Prominenten und Politikern. Während Kinder überwiegend mit O-Ton selbst zu Wort kommen, werden Politiker meist nur genannt oder in Bild und Film gezeigt.

Zu den qualitativen Besonderheiten von "logo!" gehört unter anderem die Art der Moderation, die durchgängig Bezüge zum Lebensalltag der Kinder herstellt und verdeutlicht, von welchen Ereignissen und politischen Entscheidungen sie selbst mit betroffen sind. Kennzeichnend ist der partnerschaftliche Umgangsstil, in dem die Kommunikation zwischen Moderatoren und Kindern in der Sendung wie auch in den sendungsbegleitenden Chats im Internet abläuft. Negativthemen, zum Beispiel Katastrophen oder Kindesmissbrauch, werden möglichst schonend vermittelt, indem neben der faktischen Berichterstattung auch Aufklärung, solidarische Hilfe und präventive Maßnahmen behandelt werden, um Angst zu reduzieren und Gefahren  abzuwenden.

Insgesamt ergibt sich aus den Einzelbefunden für "logo!" eine an humanen, positiven Wertvorstellungen orientierte Nachrichtenphilosophie. Unter bildungspolitischen und sozialpsychologischen Aspekten dürfte die ZDF-Kindernachrichtensendung daher dem entsprechen, was man unter „Public Value“ versteht.

MP 9/2011, S. 391-413



Zurück zur Übersicht