Heft 4

Manfred Krupp

Editorial

In Sachen Informationsangebot hat der öffentlich-rechtliche Rundfunk klar die Nase vorn: In der gesamten Sendezeit übertrafen 2016 die Informationsanteile im Ersten (37 %) und im ZDF (42 %) diejenigen bei RTL (22 %), Sat.1 (15 %) und ProSieben (8 %) deutlich. Das zeigt die Programmanalyse der Profile deutscher Fernsehprogramme. Insbesondere in der Hauptsendezeit von 19.00 bis 23.00 Uhr hatten die öffentlich-rechtlichen Sender mehr Informationssendungen im Programm als die Privaten (Seite 186). 

Die Zahl der Informationsangebote ist das eine. Besonders wichtig ist darüber hinaus die Qualität. Gerade in Zeiten eines rasanten gesellschaftlichen und politischen Wandels, von „social bots“ und „fake news“, muss das Publikum sicher sein, verlässliche Informationen von den öffentlich-rechtlichen Anbietern zu erhalten. Das „Jahr der Information“, das die ARD in diesem Wahljahr ausgerufen hat, ist demnach ein „Jahr der Information, der die Menschen vertrauen können.“ Dazu trägt auch das gerade gestartete Team des „ARD-Faktenfinders“ bei, das Gerüchte und unsichere Informationen mit Hilfe eines bundesweiten journalistischen Netzwerks innerhalb der ARD verifiziert (www.faktenfinder.tagesschau.de). 

Neben dem Informationsauftrag hat der öffentlich-rechtliche Rundfunk aber auch einen Werteauftrag: Er vermittelt beispielsweise Werte wie Solidarität oder Zusammenarbeit und legt selbst hinsichtlich Glaubwürdigkeit, Qualitätsjournalismus und Relevanz die Messlatte sehr hoch. Das bleibt nicht unbemerkt: Alle Umfragen zeigen, dass ARD und ZDF in der Bevölkerung eine überragende Akzeptanz haben. Gleichzeitig prüfen die Redaktionen ihre Arbeit selbstkritisch und berichtigen trotz hoher Gewissenhaftigkeit unterlaufene Fehler auf „Korrekturseiten“ im Internet.

Zum ebenso wichtigen Kultur- und Unterhaltungsauftrag: Die Media-Analyse Audio 2016 zeigt, dass klassisches Radio das Musikstreaming insbesondere der jüngeren Generation immer noch dominiert. Angesichts des immer differenzierter werdenden Audiomarktes muss das Radio allerdings alles daransetzen, in allen Altersgruppen zukunftsfähig zu bleiben (Seite 228). In der Altersgruppe der Grundschüler ist nach den Ergebnissen der Studie „Kindheit, Internet, Medien“ (KIM) 2016 nach wie vor das Fernsehen wichtigstes Medium (Seite 206). Es ist uns eine Freude wie Verpflichtung, dieser Zuschauergruppe auch weiterhin qualitativ hochwertige Angebote zu machen.

Manfred Krupp

MP 4/2017, S. 185

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