Heft 2

Florian Hager

Editorial

Seit März 2022 bin ich der neue Intendant des Hessischen Rundfunks und Vorsitzender der ARD-Forschungskommission. Es freut mich, damit auch Herausgeber der Media Perspektiven zu sein. Wie Medien genutzt werden und von wem, dieses Wissen ist in einer immer komplexeren Medienwelt zentral. Die Öffentlichkeit des 20. Jahrhunderts, die Medienmacher mit einem Programm für alle erreichen konnten, gibt es nicht mehr. Getrieben durch den medialen Wandel haben wir heute eine fragmentierte Gesellschaft. Angesprochen und gehört werden wollen zahllose „Communitys of Interest“. Es ist eine unübersichtliche, eine vielfältige und kleinteilige Gesellschaft – zu divers als dass Bauchgefühl als Kompass für Entscheidungen taugt. Aus meiner Sicht ist Forschung mit wissenschaftlicher, faktenbasierter Betrachtung hier sehr wichtig und hilfreich.

In dieser Ausgabe der Media Perspektiven geht es beispielsweise darum, wie Zwei- bis Fünfjährige heute Medien nutzen. Die miniKIM-Studie des Medienpädagogischen Forschungsverbunds Südwest stellt fest, dass Kinder heute in Haushalten mit breitem Medienrepertoire aufwachsen und in fast allen Familien Zugang zu Internet, Handy oder Smartphone und Fernsehgerät haben, meist auch zu Spielekonsole und Radio. Dass die häufigste Freizeitbeschäftigung trotzdem das Spielen (96%) und die Beschäftigung mit Büchern (92%) sind, mag zunächst erstaunen. Fernsehen – dazu zählen Streamingplattformen, Mediatheken und das TV-Gerät – liegt bei 79  Prozent. Bei allen Zwei- bis Fünfjährigen ist die sogenannte zeitsouveräne Nutzung besonders beliebt. Sie nutzen Streamingdienste oder Onlinevideos schon heute genauso häufig wie lineares Fernsehen.

Die verhaltenswissenschaftliche Theorie des „Signaling“ erklärt, wie Werbung auch durch die Wahl des Werbeumfelds gezielt Botschaften setzen kann. Konsumentinnen und Konsumenten ziehen beim Versuch, die Glaubwürdigkeit einer beworbenen Marke einzuschätzen, auch das Medium, in dem geworben wird, mit in Betracht. Das Werbeumfeld Fernsehen wird beispielsweise der Marke positiv angerechnet. Eine Studie der ARD MEDIA belegt sogar, dass Das Erste auf Marken besonders positiv wirkt und ihnen größere Glaubwürdigkeit und Vertrauen zuschreibt. Ein erfreulicher Befund, wie ich finde, inklusive der indirekten Aussage über Das Erste.

MP 2/2022, S. 61

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