Heft 6

Florian Hager

Editorial

Wo man auch hinschaut in der Medienbranche: Es ist ein Ringen. Die aktuellen Erhebungen zum Zeitungs- und Zeitschriftenmarkt zeigen, dass Verlagshäuser mittels Konzentration und digitaler Angebote um Marktanteile und Reichweiten kämpfen. Zeitungsunternehmen sind heute selbstverständlich auch digital unterwegs. Trotz sinkender Nachfrage erreichen sie so erfolgreich neue Publika. Steigende Konzentration innerhalb der Verlagsgruppen bedeutet konkret, dass Zentralredaktionen immer mehr Zeitungen Inhalte zuliefern und Wettbewerb gezielt reduziert wird. Das spart Kosten, verringert allerdings besonders im Lokalen die Vielfalt. Auch Zeitschriftenverlage trotzen den Veränderungen mit digitalen Produkten und darüber hinaus mit einer Diversifizierung ihres Angebots. Sie können den grundsätzlichen Bedeutungsverlust nicht aufhalten, aber es gelingt ihnen, sich trotz rückläufiger Verkaufs- und Erlöszahlen zu behaupten.

Viele Ergebnisse dieser Erhebungen sind für Branchenkenner erwartbar. Man muss, wenn man ehrlich ist, nicht einmal mehr auf die Mediennutzung des Nachwuchses schauen, um zu wissen, dass die gedruckte Zeitung am Morgen – so wie die linear ausgestrahlte Fernsehsendung um 20.15 Uhr – nicht immer die größte Rolle bei den Jugendlichen spielen. Das Ringen um Relevanz und neue Zielgruppen betrifft den Rundfunk nicht weniger als Zeitungs- und Zeitschriftenhäuser. Man kann noch spekulieren, wie lange es dauern wird, bis auch ältere Menschen überwiegend über digitale Medien erreicht werden. Aber abseits dessen – die gesamte Medienbranche hat sich längst grundlegend gewandelt.

Vielleicht ein guter Zeitpunkt, sich besondere Qualitäten der „alten“ Medienhäuser in Erinnerung zu rufen, die nicht unter die Räder kommen sollten: die Glaubwürdigkeit des Journalismus beispielsweise. Die Menschen nutzen heute so umfangreich Medien wie nie zuvor. Die Selbstverpflichtung auf den Pressekodex oder auch der demokratiestiftende Auftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks hebt journalistische Angebote hervor. In Zeiten, in denen Unternehmen mühsam ihren „Purpose“ suchen, ist das ein Pfund, mit dem sorgfältig umgegangen werden sollte.

MP 6/2022, S. 281

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