MP 2/2024: Charakteristika und Motive der Nutzung von Podcast und Onlineaudio

Uli Gleich

ARD-Forschungsdienst

Charakteristika und Motive der Nutzung von Podcast und Onlineaudio

Der aktuelle ARD-Forschungsdienst stellt Studien vor, die Bedürfnisse und Erwartungen der Nutzerinnen und Nutzer von Audioangeboten untersuchen.

Hosts schaffen Identifikation und Verbundenheit mit Podcasts

Während die Podcastnutzung unterwegs eher passiv und rituell ist, erfolgt sie zu Hause eher aktiv und instrumentel. Je nachdem, in welchen Situationen Podcasts gehört werden, können unterschiedliche Routinen überwiegen, beispielsweise in Bezug auf Multitasking, Such- und Auswahlverhalten oder die Aufmerksamkeit. Eine wichtige Rolle für die Verbundenheit mit Podcasts spielen auch identitätsbezogene Faktoren, die über die Hosts der Podcasts vermittelt werden (z.B. Identifikation oder parasoziale Beziehungen). Zudem beeinflussen bestimmte stabile Persönlichkeitsmerkmale der Nutzenden -- z.B. Extraversion oder Neugier -- und Motivlagen die Podcastnutzung.

Inhaltliche Unterschiede zwischen öffentlich-rechtlichen und kommerziellen Audioangeboten

Die häufig genannten inhaltlichen Unterschiede zwischen öffentlich-rechtlichen und privaten Angeboten sind auch bei Audio-Onlineangeboten nach wie vor zu finden (z.B. in Hinblick auf den Anteil an Information bzw. Unterhaltung) und es gibt noch ungenutzte Interaktionspotenziale mit Usern. Neben generationsspezifischen Bedürfnissen existieren aufgrund der Flexibilität von On-Demand-Radioangeboten generelle Nutzungsmuster und -motive für unterschiedliche Zielgruppen. Die große Flexibilität von digitalen Audioangeboten führt auch dazu, dass Nutzerinnen und Nutzer von digitalen Hörbüchern deutlich mehr Zeit mit dem Hören von Literatur als mit dem Lesen von Büchern verbringen, wie eine schwedische Studie belegt.

Auditive Angebote wirken intensiver als audiovisuelle

Das Hören auditiver Angebote (z.B. von Hörbüchern) aktiviert intensivere Informationsverarbeitungsprozesse bei Rezipientinnen und Rezipienten, als die audiovisuelle Nutzung. Zudem gibt es Hinweise, dass selbst produzierte und verschickte auditive Botschaften (z.B. als Voice-Message bei Twitter bzw. X) im Durchschnitt länger sind als geschriebene Botschaften und diese auch weniger emotional aufgeladen sowie weniger grob bzw. beleidigend sind.



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