Heft 12

Camille Zubayr/Heinz Gerhard

Die Fußball-Weltmeisterschaft 1998 in Frankreich

Rezeption und Bewertung der Sportberichterstattung im Fernsehen

Trotz der zunehmenden Anzahl von Fernsehprogrammen und der deshalb vermuteten Individualisierung des Nutzungsverhaltens gibt es eine Vielzahl von Fernsehereignissen, die gesamtgesellschaft- liche Bedeutung haben und deshalb die Aufmerksamkeit weiter Teile des Publikums auf sich ziehen. Zu diesen Großereignissen gehören regelmäßig Fußballspiele, wobei Weltmeisterschaften in der Zuschauergunst an erster Stelle stehen. Von den 64 Spielen der Fußball-Weltmeisterschaft im Sommer 1998 berichteten ARD, ZDF und 3sat über 200 Stunden live und lieferten zahlreiche Analysen und Hintergrundberichte. Bei den Zuschauern in Deutschland stießen im Gegensatz zu früheren Turnieren nicht nur die fünf Spiele der deutschen Mannschaft mit bis zu 24 Millionen Zuschauern (Marktanteil von 70 %) auf großes Interesse, sondern über ein Drittel aller Begegnungen hatten jeweils ein Publikum von mehr als 10 Millionen Personen. Dabei erreichten die Fußballübertragungen alle Bevölkerungsgruppen überproportional. Im Verlauf der Weltmeisterschaft sahen 60,74 Millionen Menschen, dies sind 85 Prozent der Bevölkerung, Spiele oder Berichte zur WM. Durchschnittlich verfolgten die Zuschauer elf Spiele. Auch die von ARD und ZDF zur Verfügung gestellten Zusatzinformationen über Videotext, Telefon-Hotline und Internet wurden rege nachgefragt.

Eine besondere Rolle spielt bei Fußballübertragungen offensichtlich die von der GfK nicht erhobene Außer-Haus-Nutzung. So verfolgten 20 Millionen Zuschauer (32 %) die WM-Spiele auch außerhalb der eigenen Wohnung, sei es bei Freunden und Bekannten, in Kneipen oder vor Großleinwänden auf öffentlichen Plätzen.

Laut repräsentativer Befragung wünschen sich nahezu alle Zuschauer (99 %) auch in Zukunft die freie Empfangbarkeit sportlicher Großereignisse und sprechen sich in diesem Zusammenhang gegen Pay TV aus. 92 Prozent der Befragten wollen Sportevents weiterhin bei ARD und ZDF sehen, 50 Prozent würden bei diesen Programmen auch nach 20.00 Uhr Werbung in begrenztem Umfang akzeptieren. Abgelehnt werden dagegen zu 90 Prozent die zu häufigen Werbeunterbrechungen bei Sportübertragungen kommerzieller Sender.

MP 12/1998, S. 594-599



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