Heft 10

Walter Klingler/Peter Zoche/Monika Harnischfeger/Castulus Kolo

Mediennutzung der Zukunft

Ergebnisse einer Expertenbefragung zur Medienentwicklung bis zum Jahr 2005/2015

Der Medienwandel in Deutschland bis zum Jahr 2005 bzw. 2015 wird für die privaten Haushalte zwar sichtbare Veränderungen mit sich bringen, die Entwicklungsdynamik dürfte jedoch begrenzt sein. Nach der vom Medienpädagogischen Forschungsverbund Südwest in Auftrag gegebenen Befragung von rund 300 Experten aus den Bereichen Medien und Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und gesellschaftlichen Interessengruppen werden die Publikumserwartungen an die Medien über deren Erfolg entscheiden. So erwarten die Fachleute eine zunehmende Bedeutung der Abrufbarkeit von Medieninhalten, von Interaktionsmöglichkeiten und individuell zusammengestellten Programmen. Allerdings wird nur einfach handhabbare Hard- und Software Aussicht auf Erfolg haben, wobei ohne attraktive Inhalte auch dies nicht ausreichen wird.

Die tägliche Mediennutzungsdauer wird - so die Experten - von sechs Stunden und 30 Minuten im Jahre 1995 allmählich um rund 45 Minuten im Jahr 2015 ansteigen. Trotz Rückgangs werden die Hörfunk- und Fernsehnutzung weiterhin dominieren, die Printnutzung wird leicht abnehmen, während mit einem starken Anstieg der Onlinenutzung zu rechnen ist. Über 40 Prozent der Haushalte werden dann über einen Onlineanschluß verfügen. Bis zum Jahr 2015 werden Privathaushalte bei nur geringer jährlicher Steigerungsrate voraussichtlich mehr als doppelt soviel Geld pro Monat (220 DM) für Medien ausgeben als 20 Jahre zuvor (105 DM), wobei ein nennenswerter Zuwachs lediglich bei den elektronischen Medien zu verzeichnen sein wird.

Nach Meinung der Experten wird es im Bereich der Medien sowohl zur Herausbildung globaler Öffentlichkeiten als auch zur weiteren Zersplitterung von Teilöffentlichkeiten kommen. Eine Zunahme der Wissenskluft zwischen Informationsreichen und -armen ist abzusehen, und mit Impulsen für den Arbeitsmarkt rechnet nur eine Minderheit der Experten. Neben positiven Effekten, wie individuelle Leistungssteigerung, werden die neuen Medien auch mehr Streß, eine Abnahme der Außer-Haus-Aktivitäten und eine verstärkte Suchtgefahr nach sich ziehen. Die Autoren fordern Politik und Medien auf, einen Ausgleich zwischen wirtschaftlicher Dynamik und gesellschaftlicher Verantwortung anzustreben, um den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu wahren.

MP 10/1998, S. 490-497



Zurück zur Übersicht